Opernfahrt: b.38

Der Schweizer Martin Schläpfer hat das Ballett an der Deutschen Oper am Rhein 2009 übernommen und zu einem der bekanntesten und beachtesten Ballettcompagnien ausgebaut. Zur Saison 2020/2021 wechselt er an die Wiener Staatsoper. 2019 werden wir noch einmal die Gelegenheit haben, mit "b. 38" einen von ihm gestalteten Ballettabend zu erleben, dem, wie schon so oft, eine Dreiteilung zugrunde liegt. I Der Choreographie (Uraufführung) des Rumänen Remus Sucheana liegt die Sinfonie Nr. 1 d-Moll op. 13 von Sergej Rachmaninow zugrunde. "Mein ist die Rache, ich werde vergelten, spricht der Herr" lautet das biblische Epigramm, das Sergej Rachmaninow über sein erstes großes Werk schrieb und das auch Leo Tolstois Roman "Anna Karenina" einleitet. Ein Zyklus aus Zerstörung und Wiedererwachen, Krieg und Frieden bringt Remus Sucheana auf die Bühne, er kreiiert Bilder des Krieges, der Verwüstung und die daraus folgenden Konsequenzen. II William Forsythe choreographiert mit: "One Flat Thing Reproduced" den Mittelteil des Abends, nach Musik von Thom Wilems Bereits in den 1970er Jahren revolutionierte William Forsythe den Tanz mit einer unerwarteten Weiterentwicklung des akademischen Balletts. In einer Zeit, in der sich andere vom klassischen Genre distanzierten, bereicherte er das Vokabular um Formen, die zuvor als fehlerhaft galten. Bewegungen werden verdreht, verbogen, zerlegt und neu zusammengesetzt in einen anderen Raum gestellt. "One Flat Thing, reproduced" - im Jahr 2000 mit dem Ballett Frankfurt uraufgeführt - steht am Ende des Spektrums dieser Erforschungen. Inspiriert von Büchern über Expeditionen zum Südpol, entwickelte Forsythe eine sich immer mehr verdichtende Choreographie, die ihren Höhepunkt im scheinbaren Chaos der Körper inmitten von zunächst perfekt angeordneten 20 Tischen findet. Der Choreograph vergleicht diese Tische mit Eis, nennt sie glatt und unvorhersehbar gefährlich. Kreiert zu Musik von Thom Willems ist "One Flat Thing, reproduced" eine atemberaubende Choreographie des Pulsierens und Sich-Verlierens. III Martin Schläpfers Choreographie: Ulenspiegeltänze (Uraufführung) beschließt den Abend. Fasziniert vom ambivalenten Charakter von Sergej Prokofjews Sinfonie zwischen Oberflächenglanz und tiefer Anklage, Leichtigkeit und Sarkasmus - einer Musik, aus der ihm der Schelm Ulenspiegel entgegenschaut. Dazwischen steht mit "One Flat Thing Reproduced" ein in seiner Körperlichkeit und Virtuosität atemberaubendes Meisterwerk des großen Balletterneuerers William Forsythe. "Es ist eine Musik wie ich sie noch nie vertanzt habe", bekennt Martin Schläpfer, der selbst unzählige Male in Sergej Prokofjews "Romeo und Julia" auf der Bühne zu erleben war, über seine Wahl der 1951 entstandenen Sinfonie Nr. 7 cis-Moll op. 131 des sowjetischen Komponisten für sein neues Ballett "Ulenspiegeltänze". Fasziniert ist er vom "Versteckten, Weggeschlossenen, leise Gesagten, aber auch dieser manchmal unglaublich vordergründigen Energie und Leichtigkeit, undramatisch hingezaubert von einem Komponisten, der nichts mehr forcieren will, muss und kann" - eine Musik, durch deren "Scheinheiligkeit und Sarkasmus, Schelmisches, aber auch närrisch Anklagendes" ihm Ulenspiegel entgegenschaut, jener rätselhafte, von Daniel Kehlmann in seinem neuesten Roman "Tyll" geschilderte Gaukler, der eines Tages beschloss, niemals zu sterben, "mit einem Lachen durchs Dunkle gehend, das aber auch ein Grinsen sein kann". Am Pult steht an diesem Abend Wen-Pin Chien.

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